Wie viel Einfluss hat Routenklettern auf das Boulderkönnen???

13. September 2011 – 10:55

Bouldern boomt, dass höre ich immer öfter, wenn ich mich mit Kletterern unterhalte. Das an dieser Aussage etwas Wares dran ist, erkennen die Meisten, die schonmal an einem Freitag Abend in der Boulderwelt, in München, gewesen sind. Auch die steigende Anzahl an neuen Boulderhallen wie das Nürnberger Cafe Kraft sind ein Indiz. Der immer größer werdende Ansturm auf die sogenannten Bouldercups (z.B. Münchner Stadtmeisterschaft, Soul Moves) bestätigt das ganze.

Bouldern Vs. Klettern 300x225 Wie viel Einfluss hat Routenklettern auf das Boulderkönnen???

Was Anfangs nur als Training fürs “echte” Klettern herhalten musste, hat sich in letzter Zeit zu einem eigenen Sport gemausert. Da gibt es dann sogar Leute, die nur noch Bouldern und nichtmal mehr ein Seil besitzen. Es stellen sich einem also zwangsläufig irgendwann die Fragen: Wie viel Einfluss hat eigentlich das Routenklettern auf mein Boulderkönnen? Muss ich Routenklettern, um gut zu bouldern? Um das zu beantworten, habe ich einige der besten Deutschen Kletterer und Boulderer befragt.

Um es noch einmal hervorzuheben: Es geht hier um die Leute, die ausschließlich bouldern wollen und nur mit dem Seil klettern würden, wenn es sie beim Bouldern weiterbringt. Es dürfte klar sein, dass Kletterer, die beide Disziplinen betreiben möchten, auch beides trainieren müssen.

Also wie schaut es jetzt endlich aus? Kann ich mein sowieso fast unbenutztes Seil endlich bei E..y einstellen, oder brauch ich das noch? Die Antwort, die die Boulderbegeisterten erleichtern dürfte ist: Ja, man kann sein Seil verkaufen! Aber ist das auch sinnvoll? Eher nicht, lautet das Ergebnis. Um auf die Gründe besser eingehen zu können, muss man den Boulderer in zwei Kategorien unterteilen: Anfänger und Gelegenheitsboulderer, sowie den Profi oder zumindest den erfahrenen Boulderer.

Der noch nicht so erfahrene Boulderer

Du bist mit den vielen Bewegungsabläufen, die du fürs Bouldern benötigst, überfordert, da du dir noch kein ausreichend großes Bewegungsrepertoir angeignet hast. Deshalb solltest du dein Seil behalten und zumindest gelegentlich auch mal in eine Klettertour einsteigen. Denn die grundlegenden Bewegungsmuster und die unterschiedlichen Griffformen sind in Bouldern sowie in Kletterrouten sehr ähnlich und oft sogar gleich. Diese kannst du beim Klettern mit dem Seil schneller lernen und es entsteht bald ein flüssiger Kletterstil. Außerdem findest du in der Regel in Kletterrouten leichtere Züge. Das danken dir die Sehnen und Bänder, die sich erst an die starke Belastung beim Bouldern gewöhnen müssen. Als Ausgleich solltest du zu Anfang deshalb mindestens jedes dritte Mal dein Seil mit einpacken.

Zusammenfassend bedeutet es also: Je länger du kletterst, desto weniger brauchst du dein Seil.

Tips:

1. Seilklettern ist ein sehr guter Ausgleich fürs Bouldern.

2. Als Anfänger muss sich dein Körper erst an die starke Belastung gewöhnen, deswegen keine schweren Boulder, lieber viele leichte Boulder und Klettertouren.

3. In den ersten Jahren ändern sich oft noch die Vorlieben und viele wechseln dann zum Routenklettern oder umgekehrt. Daher das Seil lieber behalten (sofern du schon eins hast).

4. Kletterrouten erleichtern dir als Anfänger den Einstieg ins Bouldern und verbessern daher auch dein Boulderkönnen.

Der fortgeschrittene Boulderer

Du hast dir schon ein recht gutes Bewegungsgefühl angeeignet und kennst die grundlegenden Techniken und Griffformen. Beim Bouldern kommt es haupsächlich auf die Technik und die Maximalkraft an, beim Routenklettern spielt die Kraftausdauer die Taktik/Technik und der Kopf eine große Rolle. Da du zum Bouldern weder viel Kraftausdauer oder einen “guten” Kopf (Sturzangst) brauchst, bringt dir das Routenklettern wenig bis keinen Fortschritt in deinem Boulderkönnen.

Um dein Boulderkönnen möglichst schnell zu steigern, solltest du sehr viel bouldern. Denn dort werden logischerweise die boulderspezifischen Anforderungen am besten trainiert. Zusammenfassend gesagt, kann der fortgeschrittene Boulderer komplett auf das Routenklettern verzichten, da es für ihn keinen messbaren Vortschritt für das Bouldern bringt. Wer trotzdem viel mit dem Seil klettert, sollte das Bouldern und/oder geziehltes Maximalkrafttraining nicht vernachlässigen, sonst sinkt die Leistungsfähigkeit beim Bouldern.

Tips:

Seilklettern ist nicht notwendig, um sein Boulderkönnen zu steigern.

Als Ausgleich ist das Routenklettern dennoch bestens geeignet.

Auch lange Routen und Traversen geben ein gewisses Routenfeeling und trainieren zudem die Ausdauer.

Wer oft mit dem Seil klettert und dabei wenig bouldert, verschlechtert sich beim Bouldern.

Fazit:

Je nachdem, wie gut du kletterst hat das Routenklettern mehr oder weniger Einfluss auf dein Boulderkönnen.  Eine gesunde Mischung aus beiden Spielarten hat sich für die meisten modernen Kletterer eingespielt. Wenn an einem Tag gebouldert werden soll und du auch dein Seil nicht unberührt liegen lassen willst, solltest du erst zum Bouldern gehen. Die Faustregel dafür heißt: Maximalkraft vor Kraftausdauer. Wer gar keine Lust aufs Seil hat, kann es auch mit gutem Gewissen weglassen.

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